Zahlreiche zivilgesellschaftliche Akteur*innen erleben in ihrer Arbeit wachsenden Gegenwind: Desinformation, Verschwörungsmythen und populistische bis menschenverachtende Positionen bedrohen zunehmend demokratisches Engagement – sowohl online als auch offline.
Distanz e.V. bringt langjährige Erfahrung in der Distanzierungsarbeit sowie in politischer und medienpädagogischer Bildung mit. Mit Konsens Konstruktiv machen wir erprobte Strategien, Tools und Best-Practice-Ansätze für andere zivilgesellschaftliche Akteur*innen zugänglich – für die Arbeit mit Gruppen bis hin zur Kampagnenführung
Zielgruppe
Die Fortbildungsangebote richten sich vor allem an Multiplikator*innen aus:
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
Umwelt- und Klimakommunikation
politischer und medienpädagogischer Bildung
Digital-Streetwork, Community Management und verwandten Bereichen
Ziele des Projekts
Entwicklung von Handlungssicherheit im Umgang mit populistisch-extremistischen Phänomenen durch effektive Kommunikationsstrategien und praxisbezogene Szenarioplanung
Erhöhung der Wirksamkeit eigener Maßnahmen durch vorausschauende Prävention und gezielte Intervention
Förderung eines konstruktiven Diskursklimas
Angebote
Fortbildungen: Bundesweit als vor Ort Tagesworkshops oder auch Online-Kurzimpuls-Reihe.
Vertiefung durch Beratung: Interessierte Organisationen können eine 3- bis 6-monatige Begleitung in Anspruch nehmen.
Kompetent intervenieren im (Berufsschul)-Team: Wie können berufliche Schulen oder Jugendeinrichtungen professionell auf extrem rechte Einstellungen und Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit reagieren? Das Projekt KI(B)T stärkt pädagogische Fachkräfte in ihrem Alltag – praxisnah, langfristig und nachhaltig, um diesen Herausforderungenzu begegnen.
Formate des Projekts
KI(B)T unterstützt Pädagog*innen dabei, einen sicheren und reflektierten Umgang mit extrem rechts einstiegsgefährdeten und orientierten junge Menschen zu entwickeln. Die Maßnahmen fördern sowohl individuelle Handlungskompetenz als auch institutionelle Veränderung.
1. Intensivcoaching: Langfristige Begleitung von Teams
In Intensivcoachings begleitet Distanz e. V. Berufsschulen bis zu einem Jahr lang. In interdisziplinären Teams aus Lehrkräften, Schulleitung und Schulsozialarbeit werden:
Herausforderungen und Ressourcen gemeinsam analysiert
institutionsspezifische Ziele formuliert
passende Maßnahmen umgesetzt und reflektiert
Ziele des Intensivcoachings
Entwicklung langfristiger Handlungsstrategien gegenüber extrem rechten Tendenzen
Stärkung der Teamkompetenz und professionellen Souveränität im Alltag
2. Flex-C: Kurzformat mit nachhaltiger Wirkung
Das neue Coachingformat Flex-C ist ein kürzeres Format für die Begleitung der Pädagog*innen bei gleichzeitig stattfindenden präventiven Workshops aus jugendkultureller, politisch-historischer und erlebnispädagogischer Bildung mit den jungen Menschen der gleichen Institution.
Ziele von Flex-C
Erste Analyse von Herausforderungen und Ressourcen
Entwicklung erster Schritte hin zu einem kompetenten Umgang mit extrem rechten Tendenzen
3. Weiterbildungen: Distanzierungsarbeit als Querschnittsaufgabe
Distanzierungsarbeit gehört in die Breite und in den Querschnitt der Sozialen Arbeit. In praxisnahen Weiterbildungen werden Gesprächs- und Interventionsmethoden für den kurz- und langfristigen Einsatz vermittelt.
Ziele der Weiterbildungen
Stärkung der Selbstsicherheit im Umgang mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und extrem rechten Orientierungen
Transfer der Inhalte in die pädagogische Praxis
Verankerung der Distanzierungsarbeit in verschiedenen Handlungsfeldern. Teilnehmende können zusätzlich in präventiven Workshops hospitieren, um die Inhalte praktisch zu erproben.
4. Workshops der Prävention: Lernen in Lebensweltbezug
Die Workshops für Schüler*innen setzen lebensweltorientiert auf jugendkulturelle, politisch-historische und erlebnispädagogische Ansätze. Sie thematisieren persönliche Erfahrungen, gesellschaftliche Entwicklungen und fördern kritisches Denken.
Mit Transform gestaltet Distanz e. V. die Distanzierungsarbeit bundesweit neu. Wir bringen unsere langjährige Erfahrung ein, um Konzepte und Strukturen in diesem Handlungsfeld weiterzuentwickeln. Ziel ist es, neue Wege zu finden, wie junge Menschen wirkungsvoll von extrem rechten Einstellungen und Gruppierungen distanziert werden können – und das nah an ihrer Lebenswelt.
Was ist Transform?
Transform – Distanzierungsarbeit zur Überwindung von Demokratiedistanz und zur Verhinderung von Einstiegen in den Rechtsextremismus ist ein Innovationsprojekt, das in vier Modellregionen Thüringens erprobt wird. Die entwickelten Ansätze und Methoden sind auf bundesweite Ausstrahlung und Qualifizierung von Fachkräften ausgelegt. Im Mittelpunkt stehen neue Formate, Zielgruppen, Methoden und Kooperationen.
Schwerpunkte im Projekt
Trainer*innen-Tandem – Distanzierungsarbeit vor Ort verankern
Erfahrene Distanzierungstrainer*innen von Distanz e. V. arbeiten im Tandem mit Fachkräften vor Ort – z. B. aus Schule, Jugendhilfe oder Bewährungshilfe. Gemeinsam führen sie Distanzierungstrainings durch und schaffen eine Grundlage, damit diese Fachkräfte künftig eigenständig Distanzierungsarbeit leisten können.
Beratungsinstitution Jugendamt – Unterstützung aus der Praxis
Distanz e. V. wird zur festen Anlaufstelle für Jugendämter. Unsere Berater*innen unterstützen Mitarbeitende in der Einschätzung von Radikalisierungsrisiken – z. B. bei Hilfeplangesprächen – und stärken so die Handlungssicherheit der Fachkräfte im Umgang mit gefährdeten jungen Menschen.
Erweiterte Zielgruppe – junge Menschen in Übergangsphasen erreichen
Wir erweitern die Zielgruppe gezielt auf junge Menschen ab 10 Jahren sowie junge Erwachsene bis 27 Jahre. Gerade Übergangsphasen im Leben sind anfällig für Radikalisierung. Wir passen die Formate der Distanzierungsarbeit altersgerecht an und machen sie neunen Zielgruppen zugänglich.
Distanzierung durch Spiel – Gamification als Methode
Spielerische Elemente machen komplexe Themen greifbar: Durch eine Gamification unserer Methoden schaffen wir neue Zugänge zur Reflexion – besonders für jüngere Teilnehmende. So fördern wir Einsichten und Veränderungen auf kreative und intuitive Weise und stärken die Motivation.
Junge Menschen bewegen sich in digitalen wie analogen Räumen. Transform entwickelt Methoden, die beide Welten verbinden. Inhalte aus der Online-Arbeit fließen in Offline-Trainings ein – und umgekehrt. Die Ergebnisse werden bundesweit mit pädagogischen und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen geteilt.
Fachlich begleitet – der Wissenschafts-Praxis-Beirat
Ein interdisziplinärer Beirat begleitet das Projekt kritisch und beratend. Im Fokus stehen insbesondere die Entwicklung lebensweltorientierter Methoden sowie die gezielte Erreichung weiblicher Adressatinnen.
Das ZfD ist die zentrale Beratungsinstitution in Thüringen für das Handlungsfeld der Distanzierungsarbeit. Für Fachkräfte, die mit jungen Menschen arbeiten, die durch gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit oder erste extrem rechte Tendenzen auffallen. Ziel ist es, frühzeitig zu intervenieren – bevor sich menschenverachtende Einstellungen verfestigen.
Zielgruppe
Das Beratungsangebot richtet sich an:
Pädagog*innen aller Felder der Jugendarbeit und Schule
Mitarbeitende aus Jugendämtern
weitere Multiplikator*innen im pädagogischen Feld
Ansatz
Distanzierungsarbeit schließt die Lücke zwischen präventiver Demokratiebildung und klassischer Ausstiegsarbeit.
Der Erstkontakt kann telefonisch oder per E-Mail erfolgen und ist auf Wunsch auch anonym möglich. In einem nächsten Schritt findet eine gemeinsame Bedarfsklärung statt, bei der die Mitarbeitenden von Distanz e. V. zusammen mit den Beteiligten die individuelle Situation analysieren. Darauf aufbauend wird ein passgenaues, individuelles Angebot entwickelt, das sich an den jeweiligen Bedürfnissen orientiert. Der weitere Beratungsverlauf umfasst fallbezogene Strategien und kann bei Bedarf in ein Coaching oder ein Distanzierungstraining übergehen. Ergänzend erfolgt eine multiprofessionelle Vernetzung, bei der relevante Fachkräfte aus dem Umfeld der jungen Menschen in die Zusammenarbeit einbezogen werden.
Kollegiale Fallberatung
Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Analyse komplexer Fälle unter Einbeziehung szenetypischen Wissens. Darauf aufbauend werden konkrete Handlungsstrategien entwickelt und im Team strategisch geplant. Auf Wunsch kann dieser Prozess durch die Integration in ein weiterführendes Distanzierungstraining ergänzt werden.
Modulare Fortbildungen
Das ZfD bietet themenspezifische Fortbildungen mit Hilfe eines Baukastensystems an. Die Fortbildungen richten sich sowohl an Einzelpersonen als auch an Teams und werden ressourcenorientiert, bedarfsspezifisch und individuell, zeitlich flexibel gestaltet.
Distanzierungstraining
Das ZfD begleitet junge Menschen zwischen 10 und 27 Jahren in Einzel- und Gruppentrainings dabei, sich von menschenfeindlichen und gewaltbefürwortenden Haltungen zu distanzieren. Mit systemisch-lösungsorientierten und reflektierenden Methoden werden Distanzierungsimpulse gesetzt. Die Arbeit erfolgt kritisch-konfrontativ und zugleich beziehungsstärkend, wobei die Ziele der Teilnehmenden im Vordergrund stehen. Durch jugendkulturelle, mediale und historische Interessen werden Lebensweltzugänge geschaffen und die Selbstwirksamkeit junger Menschen gestärkt.
Das Perspektiv-Training stärkt den positiven Blick junger Menschen auf ihr Leben. Gemeinsam erarbeiten wir Wege aus der Gewaltspirale, reflektieren soziales Verhalten und fördern eine straffreie Perspektive.
Zielgruppe
Junge Menschen im Alter von 10 bis 27 Jahre
Junge Menschen jeden Geschlechts, mit und ohne Behinderung
Milieuübergreifend und herkunftsunabhängig
Teilnehmende mit Multiproblemlagen (z.B. Suchterfahrungen, familiäre Gewalt)
Ziele des Perspektivtrainings
1. Zukunftsperspektiven entwickeln
Junge Menschen werden ermutigt, ihre Lebensperspektiven bewusst und gewaltfrei zu gestalten. Im Mittelpunkt steht die Förderung individueller Wege, die ein selbstbestimmtes und konstruktives Leben ermöglichen. Dazu gehört sowohl die Unterstützung bei der Planung einer gewaltfreien Zukunft als auch die Anregung zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung – insbesondere im jugendkulturellen Bereich. Ergänzt wird dies durch Orientierungshilfen, die die persönliche Entwicklung stärken und dabei helfen, eigene Potenziale zu erkennen und neue Lebenswege zu eröffnen.
2. Selbstreflexion fördern
Ziel ist es, die eigene Lebensgestaltung bewusst zu reflektieren und die Hintergründe des eigenen Verhaltens besser zu verstehen. Durch die intensive Auseinandersetzung mit persönlichen Erfahrungen und Einstellungen werden Denkprozesse angeregt, die zu einem tieferen Selbstverständnis führen. Anregende Fragen unterstützen dabei, eingefahrene Denkmuster zu hinterfragen und neue Perspektiven zu entwickeln. So wird ein selbstbewusster und verantwortungsvoller Umgang mit der eigenen Handlungsfähigkeit gefördert.
3. Konfliktfähigkeit stärken
Konfliktfähigkeit stärken bedeutet, eigene Gewaltmuster zu erkennen und alternative, gewaltfreie Handlungsweisen zu entwickeln. Dabei steht die Reflexion des eigenen Verhaltens ebenso im Mittelpunkt wie das kritische Hinterfragen gewaltfördernder Einstellungen. Durch die Entwicklung konstruktiver Konfliktlösungsstrategien und die gezielte Förderung sozialer Kompetenzen werden Selbstbewusstsein und Resilienz gegenüber Gruppendruck gestärkt. So wird eine eigenverantwortliche Lebensführung auch unter benachteiligenden Bedingungen ermöglicht.
Methoden
Lebensweltorientierte Ansätze: Nutzung jugendkultureller Methoden zur Förderung von Beteiligung und Niedrigschwelligkeit.
Konfliktfähigkeit stärken: Reflexion bestehender Konfliktlösungsstrategien und Entwicklung alternativer Verhaltensweisen.
Persönlichkeitsentwicklung: Förderung von Resilienz, Selbstbewusstsein, Widerspruchs- und Frustrationstoleranz.
Zukunftsperspektiven: Konstruktive Ideen entwickeln, um Gewalt abzubauen.
Sie möchten mehr über das Perspektivtraining erfahren? Schreiben Sie uns gerne eine Mail an mail@distanz.info
Das Coaching bietet passgenaue Unterstützung bei Herausforderungen in der Distanzierungsarbeit. Es hilft dabei, Strategien und Handlungskompetenzen im Umgang mit verbreiteten Abwertungsmustern in der Einrichtung zu entwickeln oder zu verbessern. Ziel ist es, die Handlungssicherheit und -fähigkeit einzelner Fachkräfte zu stärken und die gesamte Einrichtung in ihrer Präventions- und Interventionsarbeit gegen extrem rechte Phänomene weiterzuentwickeln.
Formate und Ablauf
Das Anliegen des Coachings bestimmt das Format.
Kurz-Coaching
Im Kurz-Coaching erhält die Einrichtung einen Überblick, welche Herausforderungen und Bedarfe das Team beim Umgang mit Abwertung, Diskriminierung und extrem rechten Einstellungen hat. Dieser wird über eine Bedarfsumfrage im Team erreicht, die von Distanz e. V. angefertigt wird. Auf der Grundlage der Ergebnisse gibt Distanz e. V. Empfehlungen, wie den gezeigten Bedarfen entsprochen werden könnte. Über Folgemaßnahmen wie z.B. Fortbildungen wird ressourcenorientiert gemeinsam entschieden.
Intensiv-Coaching
Im Intensiv-Coaching begleitet Distanz e. V. eine Kleingruppe von Fachkräften zu konkreten Fragestellungen über mehrere Treffen. Auf der Grundlage der Analyse der Bedarfs- und Ausgangslagen entwickelt die Kleingruppe Ziele für das Team und die Einrichtung. Distanz e. V. begleitet, berät und unterstützt diesen Veränderungsprozess. Das Gesamtteam der Einrichtung wird regelmäßig an die Inhalte angebunden.
Fall-Coaching
Im Fall-Coaching liegt der Fokus auf einem oder mehreren konkreten Fällen extrem rechts einstiegsgefährdeter und junger Menschen, die die Einrichtung herausfordern. In mehreren Treffen werden die beteiligten Fachkräfte für ihre pädagogischen Arbeit mit dem jungen Menschen von Distanz e. V. mit einer gemeinsamen Fallanalyse und Handlungsempfehlungen unterstützt und beraten.
Methodik
In den Coachings wird bedarfs- und lösungsorientiert gearbeitet. Die Analyse der Ausgangssituation bestimmt die Handlungsschritte. Der Prozess ist beteiligungsorientiert ausgerichtet und stärkt die Fachkräfte in ihrer Eigenverantwortung. Ressourcenorientiert knüpft das Coaching an Vorhandenes an und erweitert dies mit der Expertise von Distanz e. V.
Distanz e. V. arbeitet mit Jugendlichen ab 12 Jahren dort, wo sie sind – in Schulen, Jugendclubs oder auf Festivals. Mit lebensweltorientierten Methoden und medienpädagogischen Zugängen fördern wir Selbstwirksamkeit und regen zur Reflexion über Ausgrenzung an. Partizipative Formate und der Do-it-yourself-Ansatz stehen dabei im Mittelpunkt.
Methoden und Ansätze
Lebensweltorientierung: Orientierung an den Erfahrungen und Themen der jungen Menschen
Jugendkulturelle und medienpädagogische Bildung: Förderung von Selbstreflexion und Selbstwirksamkeit durch kreative Auseinandersetzung mit aktuellen, historischen und politischen Themen.
Vielfältiges Team: Politisch(-historische) Bildnerinnen, Pädagoginnen, Jugendkultur- und Medienexpert*innen arbeiten zusammen.
Partizipation: Die Workshops setzen auf aktive Beteiligung und exploratives Arbeiten im Prozess.
Der Do-It-Yourself-Ansatz fördert die Selbstermächtigung junger Menschen.
Zielsetzungen
Selbstwirksamkeit stärken: Nutzung jugendkultureller Elemente zur Förderung persönlicher Entwicklung.
Reflexion von Ausgrenzung: Persönliche Ausgrenzungserfahrungen der jungen Menschen, aber auch Ausgrenzung durch die Teilnehmenden selbst, werden reflektiert.
Bearbeitung lebensweltlicher Themen: Durch Beteiligung an den Inhalten werden die Themen besprochen, die lebensweltliche Herausforderungen der Teilnehmer*innen darstellen.
Fortbildung für Fachkräfte: Begleitende Schulungen zur Sicherstellung langfristiger Qualität.
Nachhaltige Weiterarbeit: Vertrauliche Sachberichte und Nachreflektion unterstützen die Institutionen.
Where do workshops take place?
Schulen (alle Schulformen)
Jugendclubs
(Teil-)stationäre Einrichtungen
Öffentlichen Räumen und auf Festivals
Sie möchten mehr über das Projekt CAP erfahren oder Workshops anfragen?Kontaktieren Sie uns gerne per E-Mail unter mail@distanz.info
Distanz e. V. bietet niedrigschwellige Beratung für Multiplikator*innen an. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie mit jungen Menschen umgegangen werden kann, die extrem rechten Orientierungen oder Einstiegsgefährdungen zeigen – etwa in der Beziehungsgestaltung, beim Setzen von Distanzierungsimpulsen gegenüber menschenverachtenden Einstellungen oder bei der Vermittlung zu passenden Verweisstrukturen.
Beratungsprozess
1. Erstkontakt:
Die Beratungssuchenden nehmen in der Regel telefonisch oder per E-Mail Kontakt auf.
2. Bedarfsermittlung:
Gemeinsam mit den Mitarbeitenden von Distanz e. V. wird der spezifische Bedarf geklärt.
Ein individuelles Angebot wird erstellt.
3. Beratungsformate:
Einzelgespräche: Telefonisch, per Video oder persönlich.
Längerfristige Beratung: Virtuell oder vor Ort.
Teamberatung: Kollegiale Fallberatung für mehrere Personen.
Die Angebote werden je nach Bedarf individuell angepasst und bieten sowohl kurzfristige Unterstützung als auch längerfristige Begleitung
Zielgruppen
pädagogische Fachkräfte aus Jugend- und Familienhilfe, Jugendgerichts- und Bewährungshilfe sowie Schule
Akteur*innen der Zivilgesellschaft und Multiplikator*innen
Beratungsansatz
Ein zentraler Schwerpunkt der Beratung liegt auf Empowerment, also der Stärkung der Handlungskompetenz zur eigenständigen Bewältigung von Distanzierungsfällen. Bei Bedarf bieten wir langfristige Unterstützung an, etwa in Form von Coaching. Zudem setzen wir auf eine kooperative Vernetzung mit lokalen und überregionalen Akteur*innen, um Prävention und Intervention miteinander zu verbinden und weitere Unterstützungssysteme zu aktivieren.
Distanz e. V. bietet themenspezifische Fortbildungen in einem Baukastensystem an. Die Fortbildungen richten sich sowohl an Einzelpersonen als auch an Teams und können je nach Bedarf individuell gestaltet werden. Die Dauer der Fortbildung richtet sich nach individueller Absprache und den jeweiligen Bedarfen.
Basismodule
Die Fortbildungen basieren auf drei zentralen Modulen:
Modul 1 – Wahrnehmung
Früherkennung extrem rechter Einstiegsprozesse
Ziele:
Erkennen Sie Anzeichen extrem rechter Orientierung frühzeitig und wie Sie diese einordnen können.
Reflexionen und Austausch zur eigenen Wahrnehmung.
Inhalte:
Hinwendungsmotive: Warum fühlen sich junge Menschen zu extrem rechten Positionen hingezogen?
Risikofaktoren: Welche Faktoren/Umstände gefährden junge Menschen?
Auseinandersetzung mit zugrundeliegenden Einstellungen im Rechtsextremismus.
Extrem rechte Zeichen, Codes, Symbole erkennen und damit umgehen können
Praxisbezug: Anwendung der Erkenntnisse im Arbeitsalltag
Modul 2 – Intervention
Interventionen bei menschenverachtenden Aussagen / Vorkommnissen
Pädagogische Fachkräfte stehen häufig vor der Herausforderung, wie sie auf extrem rechte oder menschenfeindliche Äußerungen reagieren können, ohne die Beziehung zu den jungen Menschen zu gefährden. Modul 2 unterstützt Sie dabei, situationsangemessen zu intervenieren, ohne die pädagogische Beziehung zu belasten – durch Reflexion, Handlungssicherheit und konkrete Gesprächstechniken.
Ziele:
Lernen Sie eigene Interventionen auf die jeweiligen Situationen bzw. Kontexte und Ziele anzupassen.
Stärken Sie Ihre Handlungssicherheit, ohne die Beziehungsebene zu belasten.
Hürden reflektieren, die pädagogisches professionelles Handeln erschweren.
Inhalte:
Reflexion der eigenen Haltung: Wie schätzen Sie Ihre eigene Haltung in Bezug auf Diskriminierung ein?
Diskriminierung und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit: Was sind Formen und Ursachen? Vermittlung von Strategien zur Erkennung und Prävention.
Situationsangemessene Intervention: Situationsanalyse und Planung von Interventionsschritten
Gesprächstechniken: Ansätze, Techniken und Strategien, um Gespräche zu steuern und auf scheinbare Argumente angemessen zu reagieren.
Praxisbeispiele: Besprechen, Reflektieren und Üben von Beispielen aus dem Praxisalltag der Teilnehmenden.
Modul 3 – Strategieplanung
Nachhaltige Konzepte gegen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit entwickeln
Einzelne Interventionen können wirksam sein. Doch nachhaltige Veränderung entsteht vor allem durch ein strategisch abgestimmtes Vorgehen auf Einrichtungsebene. Modul 3 setzt genau hier an und unterstützt Sie dabei, eine gemeinsame Haltung im Team zu entwickeln sowie Strukturen und Prozesse für wirksame Prävention und Intervention systematisch zu gestalten.
Ziele:
Vermittlung eines systematischen Vorgehens zur Analyse der Ausgangslage in der eigenen Einrichtung.
Entwickeln Sie erste strategische Ansätze zur nachhaltigen Prävention und Intervention.
Förderung der Zusammenarbeit im Team durch abgestimmte Handlungsgrundlagen.
Inhalte:
Einführung in ein praxisnahes Analyseinstrument zur Bestandsaufnahme: Wie steht es um Haltung, Strukturen und Prozesse in der eigenen Einrichtung / im eigenen Team?
Ressourcenanalyse: Wo bestehen Stärken, wo zeigen sich Lücken im Umgang mit menschenfeindlichen Einstellungen?
Auseinandersetzung mit strategischen Zielen und Maßnahmen: Wie kann eine Einrichtung oder ein Team langfristig und wirksam gegen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit vorgehen?
Neutralitätsgebot: Was ist damit gemeint? Wie kann professionell mit dem Vorwurf umgegangen werden, nicht neutral zu handeln?
Praxisbezug: Arbeit an konkreten Fallbeispielen
Themenmodule
Zusätzlich und unabhängig von den Basismodulen können weitere Module flexibel kombiniert und angefragt werden:
Jugendkulturelle Bildung: Nutzung jugendkultureller Elemente zur Prävention und Analyse extrem rechter Instrumentalisierung.
Online-Lebenswelt: Auseinandersetzung mit extrem rechten und menschenverachtenden Online-Phänomenen.
Gender: Kritische Betrachtung genderspezifischer Normen und Rollen und ihrer Funktion in menschenfeindlichen, extrem rechten Ideologien und Gruppierungen.
Identitäts- und wertebezogene Medieninhalte: Kritischer Umgang mit Medien und Desinformation.
Verschwörungserzählungen: Erkennen von verschwörungsideologischen Narrativen und deren Wirkungsweisen.
Online-Distanzierungsarbeit
Um auf die wachsenden Herausforderungen der Online-Radikalisierung zu reagieren, hat Distanz e. V. das Fortbildungsangebot „Was los im Feed?“ entwickelt. Die Fortbildung vermittelt Handlungssicherheit im Umgang mit menschenfeindlicher und extrem rechter Kommunikation in sozialen Medien. Verortet ist das Angebot in der Online-Distanzierungsarbeit (ODA), die pädagogische Ansätze zur Prävention, Einordnung und Bearbeitung von Radikalisierungsprozessen im digitalen Raum umfasst. Hier mehr erfahren und anmelden.
Bei Interesse an unseren Fortbildungen oder zur individuellen Abstimmung von Modulen wenden Sie sich gerne an das Zentrum für Distanzierungsarbeit.
Distanz e. V. begleitet junge Menschen in Einzel- und Gruppentrainings dabei, sich von menschenfeindlichen und gewaltbefürwortenden Haltungen zu distanzieren. Durch jugendkulturelle, mediale und historische Interessen werden Lebensweltzugänge geschaffen und die Selbstwirksamkeit junger Menschen gestärkt. Das Distanzierungstraining ist eine Intensivpädagogische Maßnahme, die durchschnittlich ein Jahr andauert und die konstruktive Zukunftsgestaltung des jungen Menschen im Blick hat.
Ziele des Distanzierungstrainings
Distanzierung von Menschenverachtung
Reflexion menschenfeindlicher Einstellungen
Thematisierung diskriminierender Haltungen
Entwicklung menschenrechtsorientierter Perspektiven
Reduktion von Gewalt
Bewusstmachen der Folgen aller Formen von Gewalt
Entwicklung gewaltfreier Konfliktlösungsstrategien
Selbstwert und Reflexion
Förderung von Empathie und Perspektivwechsel
Stärkung der Selbstreflexion und Ambiguitätstoleranz
Sinnstiftende Lebensperspektiven
Unterstützung bei der Zukunftsplanung und Freizeitgestaltung
Entwicklung alternativer Lebensentwürfe abseits menschenverachtender Ideologien
Umsetzung
Das Training ist aufsuchend und flexibel gestaltet, um die jungen Menschen in ihrer Lebenswelt niedrigschwellig zu erreichen. Durch Kooperationen mit Schulen aller Formate, Jugendämtern, Institutionen der Jugend(sozial)arbeit/ freien Jugendhilfe gelingt ein beziehungsorientierter Zugang. Für jeden Fall werden individuelle Ansprachestrategien mit den betreuenden Fachkräften besprochen. Diese werden im Prozess und im Rahmen geltenden Datenschutzes an den Ergebnissen aus den Trainings beteiligt.
Die Methodik des Trainings – der BRAKE-Ansatz
B (Beziehung): Im Rahmen der Distanzierungstrainings versuchen wir, zu den Klient*innen eine pädagogische Beziehung zu etablieren. Eine tragfähige pädagogische Beziehung ist die Basis für jedes Training und bildet die Basis, um zu intervenieren. Nur in einer vertrauensvollen Beziehung werden die Teilnehmenden sich öffnen und damit Kritik reflektieren.
R (Reflexion): Ziel ist es, bei den Klient*innen Reflexionsprozesse anzuregen. Sie sollen dazu bewegt werden, sich selbst kritisch zu hinterfragen, Einsichten zu gewinnen und neue selbstgesteckte Ziele anzustreben. Diese Verfahrensweise trägt wesentlich zur Distanzierung von tieferliegenden menschenverachtenden Einstellungen bei.
A (Aufsuchend): Der aufsuchende Aspekt ist von besonderer Bedeutung und prägt unsere Arbeit im gesamten Prozess. Grundlegend für unsere Herangehensweise ist, dass wir nicht ein Angebot bereitstellen, dass lediglich abgerufen werden kann, sondern, dass wir aktiv auf Klient*innen in spe zugehen. Das bedeutet konkret, dass die Arbeit nicht mit einer Distanzierungsmotivation beginnt, sondern Einstellungen von außen problematisiert werden. Dies erfordert eine enge Kooperation mit sensibilisierten Fachkräften im Alltag einstiegsgefährdeter junger Menschen.
K (Kritik): Nicht zuletzt braucht es auch deutliche Kritik an den Ideologiefragmenten, Generalisierungen und Vorurteilen. Diese Kritik stellt die Beziehung jedoch nicht in Frage, sondern kann sie sogar stärken. In manchen Fällen wird sie auch dem jugendlichen Reibungsbedürfnis der Teilnehmenden gerecht und erzeugt damit Neugier an einer neuen Perspektive auf ein Thema. Mit Hilfe einer kritischen Haltung wird bewusst die Beziehungsebene genutzt, um zu vermitteln, dass einige Eigenschaften an der Person geschätzt werden. Bestimmte politischen Einstellungen wiederum werden problematisiert und/oder abgelehnt.
E (Entwicklung): Bei den Teilnehmenden wird im Trainingsverlauf ein Entwicklungsprozess in Gang gesetzt, der eine weitere extrem rechte Sozialisation verhindern soll und möglichst neue Perspektiven für ein respektvolles Miteinander eröffnet. Distanzierungsprozesse sind schlussendlich als Transformationsprozesse der Identitätsbildung zu begreifen. Dies beinhaltet ein Menschenbild, das es allen zugesteht, sich zu verändern. Diesen Transformationsprozess wollen wir mit dem aufsuchenden BRAKE-Ansatz aktiv gestalten.
Ein Einblick in unsere Distanzierungstrainings
Praxisbeispiel aus einem Jugendclub
Eine Jugendliche fällt immer wieder durch Kommentare auf, die Jugendliche mit Fluchtgeschichte beleidigen und herabwürdigen. Die Mitarbeiter*innen des Jugendclub haben deshalb schon oft Gespräche mit ihr geführt, aber bisher zeigen die Interventionen kaum Wirkung. Im Team wird diskutiert, ob die Jugendliche weiter in den Räumen geduldet werden kann. Einerseits sollen alle Jugendlichen sich im Club sicher und willkommen fühlen, andererseits fürchten die Mitarbeiter*innen, welche Folgen es für die Entwicklung der Jugendlichen haben könnte, wenn sie sich andere Orte als den Club suchen muss. Das Team würde gerne ein Angebot unterbreiten und nimmt dafür Kontakt mit Distanz e. V. auf. Gemeinsam wird eine konkrete und individuelle Ansprachestrategie beraten. Während Distanz e. V. einen Raum außerhalb des Clubs für die Umsetzung des Trainings organisiert gehen die Mitarbeiter*innen auf die Jugendliche zu. Sie machen transparent, dass ein Hausverbot wegen ihrer rassistischen Sprüche zur Diskussion steht, sie aber lieber ein Angebot unterbreiten wollen. Die Jugendliche wird gebeten, mit einem Mitarbeiter des Jugendclubs, ein erstes Treffen mit den Trainer*innen von Distanz e. V. zu besuchen. Dort benennt der Mitarbeiter den Anlass für das Training und verlässt nach der Vorstellung des Trainings das Treffen. Die Trainer*innen von Distanz e. V. fragen im ersten Treffen möglichst nach der Perspektive der Jugendlichen, ihren sonstigen Interessen, Hobbys und Herausforderungen im Alltag. Durch den respektvollen und lebensweltorientierten Umgang gelingt es den Trainer*innen die jungen Menschen vergleichsweise häufig für eine freiwillige Teilnahme am Training zu gewinnen.
Durch ihre Erfahrung im Umgang mit extrem rechts einstiegsgefährdeten und orientierten jungen Menschen entlasten die Trainer*innen von Distanz e. V. das Team des Jugendclubs. Die Trainer*innen können der Jugendlichen ein passendes Angebot unterbreiten und stehen dem Team des Jugendclubs außerdem für eine nachhaltige Entwicklung der Einrichtung zur Seite.
Bei Interesse an einem Distanzierungstraining oder weiteren Informationen wenden Sie sich gerne an das Zentrum für Distanzierungsarbeit.
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